
Einmal pro Jahr auf mehrtägigen Ehe-Walk zu gehen, ist ja mittlerweile Standard bei Micha und mir.
Wir machen da bekanntlich eine spezial Version vom Jakobsweg (siehe mein Buch „Wir sind dann mal in Spanien“
Beim letzte Mal waren wir bis Biel gekommen. Bis Santiago de Compostela ist es also noch’n bisschen hin. Schon damals war uns aufgefallen, dass es dort auch französische Hinweisschilder gibt und daher hätten wir eigentlich unser Französisch in der Zwischenzeit besser ein wenig upgraden sollen. Eigentlich. Aber wir kommen ja bekanntlich überall irgendwie durch, der hauseigene Special-Sturm-Mix aus Englisch, Französisch und Spanisch ist da unglaublich effektiv. Vielleicht sollten wir den irgendwann noch patentieren lassen, würde sicher so manchem helfen, sich besser zu verständigen 😉
Die Germanen haben doch alle einen an der Waffel

Nach unserer ersten Übernachtung direkt am Bieler See wollte ich mir, da der beste Ehemann von allen sich freundlicherweise bereit erklärt hatte, das Frühstück herzurichten, etwas die Beine vertreten und spazierte daher an einen Steg am See gleich um die Ecke. An dessen Ende angelangt, hielt ich mein Gesicht in die Sonne und wollte gerade so richtig die ruhige Morgenstimmung genießen, als plötzlich von hinten ein: „Aber nicht ins Wasser fallen!“ an mein Ohr drang. Ein etwas beleibter Herr mit Käppi und Hund, schätzte ihn um die Siebzig, setzte nach: „Sie wären nicht die erste Depressive, die hier ins Wasser springt“. Ich erklärte ihm augenzwinkernd, ich sei momentan gerade echt happy und könne auch recht gut schwimmen. Dann dacht ich, damit sei unser kleiner Plausch beendet. Nix da! Er setzte sich stattdessen auf einen Baumstamm und fragte, urplötzlich auf Hochdeutsch umschwenkend, wie das die Schweizer meistens tun, weil sie denken, keiner verstünde ihr charmantes Schweizerdeutsch 😉 woher ich denn käme. Als ich meinte, aus Schwaben, kam er, der Hammersatz: „Ehrlich? Also die Germanen haben doch alle einen an der Waffel!“. Nun, ehrlich gesagt dachte ich schon ganz kurz: „Fragt sich, wer da hier einen an der Waffel hat“.

Doch da ich den besten Ehemann von allen in unmittelbarer Nähe wusste, fragte ich relativ entspannt nach, wie er DAS denn nun meine. „Na, die lassen sich doch von der Merkel ALLES gefallen. Und dann marschieren sie noch reihenweise freiwillig zur Impfung wie die Schafe zur Schlachtbank. Ich mach da lieber meinen Käse auf dem Berg und spaziere mir meinem Hund jeden Tag über die Grenze, keinen juckt’s, ob ich geimpft bin oder nicht, die kennen mich schon. Und in zwei Jahren sind alle, die sich jetzt impfen lassen, mausetot!“ Du liebe Zeit, das war dann doch selbst für mich, der „Rebellin vom Weinsberger Tal“, die keineswegs immer absolut linientreu agiert, ein bisschen viel. Und dazu noch auf nüchternen Magen, wo mein System schon unter normalen Umständen immer ganz schön krass störanfällig ist! Ich schluckte kurz und meinte dann: „Tja, dann sind ja nur noch wir beide übrig, des wär aber doch auch a bissle schade“.

Wir unterhielten uns noch ein Weilchen über meine beiden grundverschiedenen Tätigkeiten als Musikerin und Erzieherin sowie den Beruf von Micha. Ich überlegte schon fieberhaft, wie ich aus der Nummer am besten wieder zügig rauskam, der Hund würde mir dabei eindeutig zugute kommen, das war klar, als er meinte: „Ihr Mann arbeitet bei der Bank??“
Dann winkte er mich verschwörerisch näher zu sich heran. Was sollte Frau da schon machen? Mein Bauchgefühl sagte mir jedoch, dass sei schon soweit okay. „Also wenn ich DA arbeiten würde, dann würd ich einfach irgendwann „ein Ding drehen“ und dann wär ich ganz schnell weg. Da sitzen sie doch, die ganzen Korrupten, alle auf einem Haufen“. Da musste ich schon lachen, echt jetzt. Aber irgendwie hatte er trotzdem nen gewissen Charme, dieser kleine, dicke, verrückte Mann, wie er da so auf dem Baumstamm saß und mir ganz ernsthaft seine krassen Verschwörungstheorien um die Ohren knallte, die es in sich hatten. Ich meinte dann, ich müsse jetzt doch aber langsam Mal frühstücken, sonst könne gut sein, dass ich tatsächlich noch in den See kippen würde, wenn mein Kreislauf nicht bald mit Kaffe und Essen auf Touren käme. Er wünschte mir daraufhin umgehend und sehr freundlich alles Gute für meine Zukunft, ich sagte: „Gott segne Sie“ und weg war er, samt seinem Hund, fröhlich vor sich hinsingend. Ich hatte am frühen Morgen schon jemanden zum Singen gebracht (normalerweise gibt’s da gefühlt ganz andere Reaktionen auf nen Morgenmuffel wie mich) und ne sehr spannendende, angeregte Unterhaltung geführt, wenn das Mal kein 1A Start in den Tag war! Am Frühstückstisch startete die Unterhaltung in etwa dann so: „Micha, du glaubst ja nicht, was ich gerade für’n Talk hatte!“



Grammatik und andere Regeln



Schweizer haben im übrigen manchmal ne echt krasse Grammatik: „Achtung auf den Zug“ beispielsweise steht da ganz selbstverständlich auf dem Schild beim Bahnübergang.
Und der Rezeptionist in der französischen Schweiz antwortet dir mit schönem französisch schweizerisch vermischtem Akzent folgendes, wenn du fragst, ob er Deutsch versteht: „Nein, wir verstehen hier nur Französisch. Aber das ist jetzt eine gute Übung für Sie“. Aha 🙂
Und man kann auch in der Sxhweiz durchaus mal ohne Maske Zug fahren, wenn man sie, wie geschehen bei der vergesslichen Frau Sturm, mal im Womo vergessen hat. Und zwar ganz ohne Probleme. Oder sich über den Sinn und die Wirksamkeit von Corona Impfstoffen mit Schweizerinnen unterhalten, die man beim Wandern trifft. Auf die Frage, was sie von einem thematisch dazu passenden Plakat halten, erhält man dann schon auch mal zur Antwort: „Hm, wir wissen nur, dass wir mit ja stimmen müssen“. Aber da die schweizerische Regierung ihrem Volk wohl ganz oft signalisiert, dass sie sehr zufrieden damit ist, wie es sich an die angeordneten Corona Regeln hält, braucht man anscheinend nicht mehr an Hintergrundinformationen…



