Urlaub

Französischer Charme

Schweizer Berge, mediterranes Flair und Südsee – Feeling

Junge, dieser See ist echt sowas von „All inclusive“. Da ist der Gardasee, der ja auch echt schön ist, nix dagegen. Der Lac d’Annecy entstand vor etwa 18.000 Jahren aus dem Wasser von schmelzenden Gletschern. Annecy wird auch das „Venedig der Alpen“ genannt (riecht allerdings deutlich besser als das italienische Original), da sich ein Kanalgeflecht durch die wunderschöne Altstadt, die mindestens genauso viel mediterranes Flair wie manche touristisch völlig überlaufenen italienischen Städte besitzt, zieht.

In Annecy strömt einem überall der Duft von frischgebackenen Crêpes entgegen. Der See ist umgeben von idyllischer Natur und ganz besonders geformten Bergen mit gezackten Plateauspitzen, die aussehen wie Zähne und mit malerischen kleinen Dörfern drumherum. Die Uferpromenade jedoch ist im Gegensatz zu Italien und Spanien, wo oft alles ziemlich vermüllt ist, super gepflegt und top sauber, was diesem See ein einzigartiges Alleinstellungsmerkmal verleiht. Und der absolute Wahnsinn: Ruhe am Strand! Nirgends nervige Stampfmusik aus der Strandbar oder aus mitgebrachten Boxen. Überall gibt es Fahrradwege rund um den sechst größten See Frankreichs, welcher zugleich auch der sauberste See Europas ist! In den seichten Kanälen der Altstadt sieht man sogar kleine Fische und auch im See kann man durch das sehr klare Wasser, das die Franzosen aus den Wasserhähnen trinken, auf den sandigen Boden blicken. Durch den seichten sandigen Untergrund schimmert das Wasser bis weit in die Mitte hinein türkisfarben und du glaubst beim Schwimmen, du bist irgendwo in der Karibik. Nur, dass da eben vor dir noch diese wunderschönen „Zahn – Berge“ sind.

Leider gibt’s fast keine Palmen, die fehlen einem als echter Südland – Fan schon ein bisschen, das könnten die Franzosen durchaus noch upgraden, denn vom Klima her würden die das locker überleben. Da die Wasser Temperatur des Sees im Sommer zwischen 22 und 24 Grad beträgt, kann man richtig schön lang drin bleiben und hat trotzdem noch einen kleinen Frische – Kick. Und immer weht ein kleines Lüftchen, wo sich dann auch 35 Grad noch angenehm anfühlen und zum Wandern einladen. Ehrlich gesagt, so eine landschaftlich reizvolle Kombination aus Wasser und Bergen habe ich hier zum ersten Mal gesehen und hätte das nie erwartet. Der Lac d’Annecy ist also nicht nur irgend ein schöner See sondern einfach was ganz Besonderes! Das wissen auch die Franzosen, welche hier vorwiegend anzutreffen sind, was auch besser ist, als wenn du überall auf deine eigenen Landsleute triffst und ständig Spanisch oder Englisch sprechen musst, damit man dich nicht als Deutsche/r identifizieren kann.

Frisch geduscht aus dem Wasser

Duschen am Strand sucht man in Annecy allerdings vergeblich. Aber: Die braucht man hier auch überhaupt nicht. Das Wasser ist so sauber, dass man selbst zuhause in der Fewo die Dusche locker auf den nächsten Morgen verschieben kann. Und überhaupt – das Wasser. Das ist irgendwie viel weicher als im Breitenauer See. Und man kann sich auf den Rücken legen, in den tiefblauen Himmel schauen und schweben. Richtig, schweben! Fast wie im toten Meer. Nur, dass es nicht salzig ist und einem jeder Tropfen, den man ins Gesicht kriegt, höllisch in den Augen brennt. Keine Ahnung wie dieses Schwebe – Phänomen physikalisch erklärbar ist, muss irgendwie mit der Weichheit des Wassers zusammenhängen.

Wasser – Orgien

Sich nach rechts und links drehen mit ausgestreckten Armen und den Händen flach aufs Wasser gelegt, gibt wahnsinnig coole Spritzeffekte. Das kann ich machen bis zum Geht – Nicht – Mehr. Und dabei noch bissle rumschreien. Wenn unsere Kids nicht dabei sind, ist sowas gut vertretbar, Freundin Anni hat’s gut verkraftet, ihr war ich zum Glück nicht peinlich 🙂 Auch hierbei merkt man, dass sich die Wasseroberfläche total soft anfühlt. Wenn du dann die Berge durch die von dir produzierten Springbrunnen – Wasserfontänen siehst, hat das sowas von was!

Gauvrès avec caramel et beurre salé

Hab ich noch nie vorher probiert: Salziges Karamell. Aber auf Crêpes oder Waffeln, den sogenannten Gaufrès schmeckt das einfach himmlisch. Was für eine geschmackliche Offenbarung! Wenn man durch die schmalen Gässchen von Annecy schlendert (und sich wie gesagt fast in Italien wähnt) dann ist ein landestypischer Crêpe eigentlich ein Muss. Leider werden die oft nur bis 12 Uhr und dann erst wieder ab 17 Uhr verkauft, warum erschloss sich uns bisher nicht. Daher mussten Anni und ich eben auf Waffeln mit Karamell ausweichen, die aber sowas von lecker waren! Salziges Karamell sollte man zumindest einmal im Leben probiert haben, ein echtes geschmackliches Highlight!

Sonne + Feel good Laune

Da ist es über Wochen heiß und trocken und dann kommt ein bewölkter, kühlerer Tag, nur EIN EINZIGER und ich könnte mich schon darüber beschweren. Natürlich mach ich’s nicht, denn alle Welt atmet dann ja auf und ist dankbar, dass die Hitze mal ne kurze Pause einlegt. Doch das ist nix für mich, da ich mir wünschen würde, dass es immer nur Nachts regnet oder bewölkt ist. Dann, wenn ich schlafe und es nicht merke. An solche Tage kann man sich halt nur gewöhnen und muss sie aushalten vor allem, wenn sie irgendwann zum Dauerzustand einer jeweiligen Jahreszeit mutieren. Ehrlich – ICH bräuchte sowas für mich ganz sicher nicht und würde super klarkommen bei jeden Tag Sonnenschein und Wärme!! Deshalb freue ich mich dieses Jahr besonders, dass es solche warmen Tage bisher en masse gab. Richtig richtig gutes Jahr ey!!

La Fête

Ein atemberaubendes, 45 minütiges Feuerwerk und eine musikalisch untermalte Lasershow am See erwarteten uns gleich am ersten Abend beim jährlich veranstalteten Seefest. Die Menschenmenge, die brav wartete, bis es losging, war total diszipliniert. Franzosen sind echt höflich: „Könnten Sie sich vielleicht setzen?“ wurde ich gefragt, als ich mal kurz aufstand, um mich ein bisschen zu bewegen weil es etwas kühl wurde und ich nur mit einem Top bekleidet war.

Die Uhrzeit vom Beginn des Feuerwerks hatten wir vorher nämlich nicht so richtig in Erfahrung bringen können. Alle warteten brav sage und schreibe geschlagene 2 Stunden! Bis es endlich losging. Es hatte sich dann aber total gelohnt: So ne kostspielige und extravagante Show hatte ich davor noch nie gesehen. Als ich in einem Souvenirladen von Annecy versehentlich ein Glasfigürchen mit meiner umgehängten Strandmatte vom Regal rasierte und das Missgeschick kleinlaut dem Verkäufer meldete, musste ich den Schaden nichtmal bezahlen und wurde auch nicht blöd angeguckt. Also da war ich echt beeindruckt. In Deutschland wären zumindest zum Himmel verdrehte Augen an der Tagesordnung gewesen. Manche Dinge sind allerdings auch seltsam: Briefmarken nach Germany haben wir in Annecy nur im 8-er Pack gefunden. Hatte schließlich nicht vor, handschriftlich verfasste Rundbriefe nach Deutschland zu verschicken.

Da unsere Air B&B Wohnung mit einem Gasherd ausgestattet war, hätte ich fast die ganze Küche abgefackelt, da ich ein ausgeblasenes Streichholz in den Mülleimer geworfen hatte und das dort noch munter weiter vor sich hin kokelte. Irgendwann dachte ich, hier stinkts doch nach Rauch?? Dreh mich um und seh, dass der Mülleimer qualmt. Scheiiiiße! Schnell Wasser reingekippt und raus auf den Balkon gestellt. Dort hat er dann noch tagelang vor sich hin gemieft. Hätte echt teuer werden können, wenn ich das erst später bemerkt hätte. Und auf ne gute Bewertung hätte ich dann wohl auch umsonst hoffen können.

Mountainbiker sind allerdings gefährlich rund um Annecy. Als Anni und ich am Wandern waren und uns kurz auf nem schmalen Waldpfad ausruhten, kommt plötzlich von oben ein Downhill Mountainbiker angeschossen und schreit: „Pardon Madame!‘ Wir springen auf und wusch…schon prescht er vorbei. Wenn er uns platt gefahren hätte, dann wäre wahrscheinlich nur gekommen: Pardon Mesdames! Jetzt sind Sie halt tot, schon schade um die schönen Damen!


Die Sache mit dem Rucksack

Direkt nach dem Urlaub in Frankreich mit meiner Freundin Anni war dann fliegender Wechsel und Pilgern mit Micha angesagt. Wir waren beim letzten Mal bis Moudon gekommen, das kurz vor Lausanne liegt. Anni hat mich dann auf der Heimfahrt dort rausgelassen und ich habe mein Zeug umgepackt. Also ich sag euch, ich habe GNADENLOS alles reduziert, was nicht unbedingt mit musste. An Kosmetika nur Zahnputzzeug und Duschgel, Klamotten nur 1 x zum Wechseln außer Unterwäsche. Doch leider wogen Luftmatratzen, aber vor allem Schlafsäcke, Zelt und Gaskocher insgesamt doch 21,5 Kg bei Micha und 19,5 Kg bei mir. Dass dies 1/3 meines Körpergewichts ist, war mir schon klar. Nur nicht, wie sich das anfühlen würde. Am Ersten Tag schleifte ich ihn noch tapfer und todesmutig die paar Stunden bis es dunkel wurde und wir das Zelt an einer abgelegenen Stelle am Waldrand aufbauten.

Wir hatten gerade gegessen und kamen uns vor wie ganz coole Abenteurer als wir beobachteten, dass auf dem Feldweg von weitem (es dämmerte bereits) ein Pickup ganz langsam auf uns zugefahren kam. Er kam näher und näher und Micha meinte, jetzt würden wir wahrscheinlich gleich festgenommen wegen illegalen Zeltens in der Wildnis. Ich vermute, er wollte, sollte einer aussteigen, vorsorglich die Hände über den Kopf heben 😂 Ich bin ja der Meinung, dass man immer eine Nacht geduldet wird, egal wo. Ob’s stimmt, weiß ich nicht aber wenn man ausstrahlt, woran man ganz fest glaubt, bringt einem das oft das gewünschte Ergebnis. Als der Pickup dann vor uns stand, blendeten uns die direkt auf uns gerichteten Scheinwerfer derart, dass wir fast nicht erkennen konnten, wer da ausstieg. Ich sah dann rechts auf der Beifahrerseite ein Schild mit der Aufschrift POLIZEI. Mir wurde immer noch nicht mulmig aufgrund meiner eben beschriebenen Grundüberzeugung, die in meinem Leben bisher fast ausnahmslos positiv für mich gearbeitet hat. An der Art, wie der Fahrer dann ausstieg und auf uns zu kam, erkannte ich intuitiv schnell, dass wir wahrscheinlich tatsächlich keinen Ärger bekommen würden und Micha die Hände unten lassen konnte hihi….

Er: „Français?“ Ich: „Un peu“ (ein bisschen). Der brauchte ja nicht gleich zu wissen, dass ich in der Schule 3 Jahre Französisch gehabt hatte und durchaus in der Lage war, mich einigermaßen auf Französisch zu verständigen. Er: „Dütsch?“ Micha (erleichtert, weil er dann in der Lage gewesen wäre, die Überzeugung seiner manchmal leicht durchgeknallten Frau mittels des uralten Adam + Eva Verführungsprinzips zu erklären) und ich wie aus einem Mund: „Ja“. Er: „ Ich bin dr Wildhütr hier. Also Campieren isch okay aber ko Füre (kein Feuer) mocha.“ Ich: „Ja, das wissen wir, ist bei uns in Deutschland auch gerade verboten“. Er: „Bitte alles wieder tip top verlassa!“ Wir: „Klaro, wird gemacht!“ Dann wünschte er uns eine gute Nacht, stieg wieder in seinen Pickup und fuhr davon. Jetzt waren wir also quasi vom Duldungsstatus in den vom hiesigen Wildhüter abgesegneten Okay – Status aufgestiegen. Wow! Ich sag’s ja, mein Psycho – Trick wirkt meistens 😉

Wilde Romantik

Wenn du dann so in deinem Zeltchen liegst, alles total ruhig ist und nur unterbrochen wird von den Rufen eines Käuzchens und sonstigen Waldtieren, hat das schon was seeehr Romantisches. Der Schlafcomfort einer Camping Luftmatratze ist gar nicht so schlecht wie man denken könnte. Trotzdem schläft man natürlich nicht so gut wie in einem Bett, Logo. Am nächsten Tag dann wieder dieses Monster namens Rucksack aufsetzen, das kostetete ganz schön mentale Überwindung! Ich wollte ihn bei unseren Pausen am liebsten nie absetzen sondern nur irgendwo aufstützen, da es nichts Schlimmeres gab, als nach kurzer Erleichterung dieses Monstrum (das man irgendwann zu hassen beginnt) wieder auf den Rücken hieven zu müssen. Mann, war das ätzend! Ich hab ja meinen Stolz und die Backpacker Sache auszuprobieren war sogar meine Idee gewesen, aber das – das war ECHT grenzwertig!

Wenn alle Jakobsweg Pilger solche Qualen durchmachen mussten, dann war ich mir nicht mehr so sicher, ob wir irgendwann wirklich in Santiago de Compostela ankommen würden. Wobei die meisten von denen ja mit Pilgerausweisen in Herbergen übernachten und nicht total bekloppt wie die Schnecken ihr Haus auf dem Rücken tragen, soviel ich weiß. Als wir Sonntagabends dann am Campingplatz ankamen, war ich total erledigt. Nachdem wir die Rezeption erreicht hatten stand da auf einem Schild: Geschlossen. Und zwar schon seit 18 Uhr. Ach du Sch…….! Ich setzte mich auf die Treppe und muss wohl ziemlich verzweifelt gewirkt haben als plötzlich der Campingwart um die Ecke kam und meinte: „Pas de problème“. Wir könnten ruhig alles aufbauen und uns einfach morgen an der Rezeption melden. Ich hätte ihn knutschen können, so erleichtert war ich. Den Zeltaufbau musste Micha diesmal leider allein machen, ich war zu fertig. Immerhin kann man deutlich schneller einschlafen, wenn man Brot-fertig ist.

Gute Alternativen braucht der Mensch

Am nächsten Morgen wurde mir dann in einer Sekunde blitzartig klar, dass ich in diesem Zustand keinen einzigen weiteren Kilometer mehr weiterlaufen können würde. Ich hoffte, dass keiner zusah, wie ich in den Waschraum schlurfte, hinkte bzw. irgendwie dorthin kam. Du spürst nach so nem Rucksackmarsch Muskeln in deinem Körper, von deren Existenz du bisher noch nie was mitbekommen hast, sag ich dir.

Das ist mit einem normalen Muskelkater null zu vergleichen. Junge, zuerst dachte ich, ich könne selbst ohne den blöden Rucksack nicht mehr weitermachen. Micha meinte nämlich, dass wir meinen einfach hier zurücklassen und den Rest der Pilgerschaft in Herbergen übernachten sollten. Er würde dann nur den Rucksack mit dem Nötigsten tragen. Doch als ich heiß + kalt geduscht, ne Schmerztablette eingeworfen und gefrühstückt hatte, kehrten die Lebensgeister langsam zurück. Wenn man schmerzende Muskeln bewegt, dann wird’s besser. Wusste ich schon. Doch auf das erhebende Gefühl, sich sooooo leicht ohne Rucksack zu fühlen war ich nicht vorbereitet. Krass, so ähnlich muss sich das anfühlen, wenn jemand bei Jesus ne sauschwere Last abgibt und das Leben dann ohne diese Last weiterlebt. Während Micha auf einer Parkbank noch ein paar persönliche Dinge in seinem „Outdoor Office“ erledigte, machte ich ausgiebige Dehnungsübungen und ein bisschen Yoga. Danach war ich fast schon wieder die Alte. Aber ich war trotzdem stolz, immerhin hatte ich es probiert! Es gibt schließlich genügend Ü-50 – iger, die grundsätzlich nichtmal mehr in einem Zelt übernachten 😉

Marie Sturm in Lausanne

Es wanderte sich einmalig, federleicht und daher in nullkommanix 33 Km an diesem Tag. Als wir uns um eine Herberge für die Nacht bemühten und bei einem Campingplatz nachfragten, wurde uns gesagt, in der Nähe gebe es eine Bed + Breakfast Pension. Nur, dass wir die irgendwie leider nicht fanden. Und bei Google tauchte sie auch nicht auf. Also fragte ich in meinem besten Schulfranzösisch eine ältere Dame, ob sie wisse, wo diese Pension sei. Sie wusste es auch nicht, fragte dann aber sofort eine Bekannte, die ebenfalls in der Nähe war. Auch diese wusste nix. Dann telefonierte sie sogar noch mit jemandem, um das rauszukriegen! Wow, so nette Menschen gibt’s echt selten! Ihr ca. 2 jähriges Enkelkind, das sie wahrscheinlich kurz zuvor ins Auto eingeladen hatte, wurde schon langsam unruhig und fing an zu quengeln während Oma da mit wildfremden Menschen quatschte und rumtelefonierte. Ich ging zur geöffneten Tür und versuchte, mit allen möglichen Grimassen zur Aufheiterung Schadensbegrenzung zu machen. Ziemlich erfolgreich, Enkelkind gluckste. Die Oma hatte jedoch leider weniger Erfolg bei der Auskunftssuche. Sie tat mir echt leid, so hilfsbereit und dann kam auch noch nix dabei raus. Also bedankten wir uns vielmals und beschlossen, einfach doch noch bis nach Lausanne zu wandern und dann in der dortigen Jugendherberge zu übernachten.

Als wir Lausanne erreichten war es bereits dunkel aber noch so warm wie in lauen Urlaubsnächten im Süden. Lausanne ist ne sehr beeindruckende Stadt, doch wenn man 33 Km in den Beinen hat und das Jugend Hotel, wie das dort heißt, nochchmal 3 Km weiter weg ist als zuerst gedacht, wird nächtliches Sight Seeing problematisch. So schade! Die Stadt hätte mich wirklich sehr interessiert! Aber am nächsten Morgen nochmal zurückgehen wollte der beste Ehemann von allen dann doch nicht. Ich fügte mich wohl oder übel, schließlich trug ER ja den Rucksack! Als wir dann nach einer gefühlten Ewigkeit das jugendliche Hotel gegen 22.30 Uhr erreichten, verkündete uns der Rezeptionist, alle Doppelzimmer seien bereits belegt, jedoch sei bei den Frauen ein 4 – er Zimmer und bei den Männern noch ein 5 – er Zimmer frei. Klar, egal wo, Hauptsache schlafen, wer müde ist, ist nicht wählerisch. Ich legte mich schonmal auf ein Sofa, das dort herum stand während Micha mit dem Typen quatschte und quatschte und wartete und quatschte…

Wird das heute noch was??? Ich versuchte, wach zu bleiben und fragte mich, ob er sich’s jetzt doch anders überlegt hätte oder keine Ahnung, was die einfach da so lange machten. Auf der anderen Seite des Sofas (es waren 2 mit dem Rücken aneinander gestellte Sofas) saß ne junge Frau und fragte mich dann, ob es beim Check – in Probleme gäbe. Ich: „Keine Ahnung, ich frag mal“! Also fragte ich Micha, ob alles okay sei und der meinte, ja schon, der Typ sei halt nur Mega langsam, er wisse auch nicht warum. Das sagte ich der Dame dann auch und sie meinte, bei ihr hätte das eine Dame gemacht und es hätte gerade mal 5 min gedauert. Jetzt sei der Typ hier ja schon 30 min mit uns beschäftigt. Sie wolle eigentlich nur was zurückgeben. Endlich schien alles fertig zu sein. Als wir in unsere Zimmer gingen, bemerkte Micha, dass auf der Gästekarte stand: Michael und Marie Sturm. Okay, schien doch bissle überfordert, dieser Rezeptionist.

Im Zimmer angekommen stellte ich feste, dass die nette junge Dame von vorhin unter mir im Stockbett schlief und ich noch keine Handtücher bekommen hatte. Die gäbe es eigentlich beim Einchecken an der Rezeption meinte sie, bei diesem seltsamen Typ, der anscheinend heute zum 1. Mal da arbeiten würde. Als ich dann nochmal nach nem Handtuch fragte, gab er mir einen ….Duschvorleger. Hä??? Ich: „Gibt’s denn kein Größeres?“ Da gab er mir ein größeres Handtuch, wollte aber den Duschvorleger (der für mich als kleines zusätzliches Handtuch für die Haare durchaus ok gewesen wäre) gleich wieder zurückhaben. Ich war so perplex, dass ich ihm den dann auch gleich anstandslos gegeben habe. Puh dieser französische „Checker vom Neckar“ war schon ne echte Herausforderung, selbst wenn er vielleicht noch neu war. Gott sei Dank war Marie Sturm viel zu kaputt, um sich hier noch wegen irgendwas zu beschweren…Und freute sich auf ein Bett, ein RICHTIGES Bett, indem sie dann auch gut geschlafen hat, yeah! Micha hatte weniger Glück. Er wurde gleich beim Eintreten ins dunkle Zimmer von krassen Schnarchlauten begrüßt. Er wunderte sich, dass man SO schnarchen und gleichzeitig schlafen kann. Richtig ekliges, schleimiges Schnarchen mit diesen komischen Aussetzern, wo du überlegst, ob du jetzt den Notarzt rufen oder aufstehen und ihm eine reinhauen sollst, damit er Bitteschön weiter atmet. Aber auch hat’s irgendwann geschafft, zu schlafen …

Englisch? No. Deutsch? No. Español!

Am nächsten Tag pilgerten wir am Genfer See entlang. Boah, da gibt’s total viele reiche Leute mit schnieken Häusern und top gepflegten Gärten etc. Leider haben wir Phil Collins nicht gesichtet, der ja auch hier irgendwo so ne Hütte besitzt. Einmal dachte ich kurz, ich seh ihn aber ich wollte lieber doch nicht „Hi Phil“ rufen, wahrscheinlich hätte er mich mit seinen fast tauben Ohren eh nicht gehört 😉

Als wir Vesperpause machten, stach plötzlich ne Wespe zu und zwar genau zwischen meine Zehen. Mist, an einem Zeh ne Blase und am andern ein Wespenstich. Das musste schnellstens gekühlt werden, also nix wie rüber zum Eisstand und dort den Eisverkäufer gefragt: „English“? Er: „No“. Deutsch? No. Er: „Español“. Ich freute mich voll aber wusste leider nicht mehr, was Wespenstich auf Spanisch heißt. Also hab ich’s ihm halt erklärt mit: Ssss, pfffft, autsch! Der nette Mann hatte die brenzlige Lage sofort gecheckt und mir ein paar Eiswürfel geholt. Schön eingewickelt in Zewa. Und zwar waren das Eiswürfel in Herzform. Wow! Gekühlt, abgeschwollen, weitergelaufen. Unsere diesjährige Pilgertour endete in Rolle, einem Ort in der französischen Schweiz. Und da haben wir dann auch zum ersten Mal auf unserem Jakobsweg einen Hinweis auf eine Pilgerherberge entdeckt. Klar, was jetzt dran ist: Für die nächste Etappe unbedingt einen Pilgerpass beantragen!

 

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